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Technologien auf die wir warten? - Mein ganz persönlicher "Technology Review": Nachjustierbare Brillen (5/7)

12.02.2013 – 85 Prozent der Sinneseindrücke erleben wir über die Augen. Wir wollen präzise sehen, um das berufliche sowie private Leben voll auskosten zu können. Doch um die 40 merken wir, dass die Sehkraft nachlässt und wir sie unterstützen müssen. Dieser Prozess ist schleichend und setzt sich kontinuierlich fort. Sehhilfen sind High-Tech - jedoch zumeist starr. Wie wäre es, wenn sie mit unseren Anforderungen mitwachsen würden – wenn sie möglicherweise sogar KoKonsum und die Verschmelzung von realer und bei Bedarf virtueller Welt ermöglichen würden?

Mehr als 40 Millionen Menschen tragen in Deutschland eine Brille, Tendenz steigend. Das sind fast zwei Drittel der erwachsenen Bundesbürger. Ich persönlich hoffe auf eine noch höhere Anzahl. Schließlich stehen wir kurz vor dem Frühling mit seinen Gefühlen und spätestens dann ist die RosaRote wieder hipp.

Apropos: Heute ist das Nasenfahrrad ein beliebtes Accessoire. An prominenter Stelle platziert, sticht es uns von manchem Nasenrücken regelrecht ins Auge. Nicht jede/r BrillenträgerIn benötigt dafür geschliffene Gläser. Brille tragen ist ein Statement. Sie hat sich vom „notwendigen Übel“ zum „Persönlichkeitsverstärker“ gewandelt.

Oder kannst Du Dir John Lennon, Woody Ellen, Nana Mouskouri, Wigald Boning, Götz Alsmann, Heino, Winfried Kretschmann und auch Harry Potter oben ohne vorstellen?

Wenn die Augen das Fenster zur Seele sind, dann ist die Brille der passende Rahmen

Schon die Ägypter nutzten klare, geschliffene Kristalle, um Miniaturen zu vergrößern oder sich vor der Sonne mit dunklen Steinen zu schützen. Eine erste Erwähnung von vergrößernden Linsen gab es in ägyptischen Hieroglyphen im 6. Jahrhundert vor Christus.

Wer letztlich die Brille als Sehhilfe für beide Augen erfunden hat, ist nicht erwiesen. Brillen kamen vor 1300 auf, hatten keine Bügel und besaßen konvex geschliffene Gläser. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden die Linsen und später auch die dazugehörigen Fassungen ständig optimiert. Es war der Augenoptiker Günther Fielmann, der in den 1980ern aus dem Kassengestell die Variantenvielfalt und damit die Brille als Modischen Hin(durch)gucker weiterentwickelt hat.

Eine Brille steht in Deutschland für Intelligenz und Intellekt. Das gilt im positiven wie im negativen Sinne. So ist mein spontanes Bild eines Professors mit mindestens zwei (echten) Doktortiteln nicht nur mit wirren Haaren, Schnauzbart und herausgestreckter Zunge verknüpft, sondern eben auch mit grün-braunem Cord und einer Hornbrille.

Vermutlich entstammen diese Vorurteile – die ich mit anderen teile – einer Zeit, in der sich nur wirtschaftlich Bessergestellte eine Brille leisten konnten. Und wiederum nur sie hatten die finanziellen Möglichkeiten zu höherer Bildung. Selbst mit dem Einzug von XXL-Nerdbrillen in jeden angesagten Modeladen scheint sich dieses Klischee nicht abzunutzen.

Im Auge des Betrachters

85 Prozent aller Sinneseindrücke werden über die Augen aufgenommen. Wir wollen weder im Berufsleben noch in der Freizeit etwas übersehen. Gerade in einer Wissens- und Informationsgesellschaft müssen wir präzise sehen können. Wir sind von Schildern, Anzeigetafeln und Menüs umgeben. Solange wir in der Lage sind, sie mühelos zu lesen, ist uns das kaum bewusst.

Doch auch das Augenlicht unterliegt einem ganz natürlichen Verfall. Die Mehrzahl der Berufstätigen schaut regelmäßig auf Bildschirme oder Displays. Im flackernden Licht der Monitore ermüden Augen schneller. Um die 40 merken wir, dass wir etwas für unsere Augen tun müssen. Obwohl wir uns alles andere als alt fühlen, macht sich schleichend die so genannte “Alterssichtigkeit” bemerkbar. Der Gang zu Augenarzt und Optiker wird fällig. Und das kann teuer werden.

Schaue ich mir die demografische Entwicklung an, frage ich mich, wie Augengesundheit langfristig finanziert werden soll. Die Baby Boomer schwammen in den letzten Jahrzehnten auf den Wellen der Mode und des Erfolgs. In ihrer Jugend erkämpften sie sich Autonomie im Denken, in der Kleidung, im Musikhören und in der Sexualität. Nun erheben sie den Anspruch, anders, besser und schöner alt zu werden als ihre Eltern.

Im Unterschied zu früheren Generationen sind sie bis über achtzig relativ gesund, verfügen über Zeit, Geld und Energie um alte und neue Träume zu verwirklichen. Wer sein Lebensideal erreicht hat, will diesen Zustand möglichst lange halten und selbstbestimmt leben. Präzise sehen zu können, heißt auch am (gesellschaftlichen) Leben teilzunehmen.

Maßanfertigung für besseren Durchblick

Je nach Dioptrien und Stärke der Hornhautverkrümmung sind Brillen ein wahres Wunderwerk der Technik. In 90 Prozent von ihnen ersetzt heute kratzfester Kunststoff das Mineralglas. Das macht sie leicht, elastisch und bruchsicher. Gleitsicht mit großem Sichtfeld veredelt den Tragekomfort. Der Lotus-Effekt mit Nano-Beschichtung lässt Wasser abperlen und verhindert, dass Schmutz oder Staub hängen bleiben. Neuartige Anti-Beschlag-Systeme garantieren zudem auch dann den Durchblick, wenn es beim Küssen heiß her geht.

Von Optikern werden – neben kreativem Design – wahre Wunderwerke vollbracht. Und doch: Auch nach 25 Arbeitsschritten bleiben es starr geschliffene Gläser, die mit Voranschreiten des Lebensalters regelmäßig neu produziert werden müssen. Je rasanter der Prozess, desto teurer für die Brillenträgerin oder den Brillenträger. Denn der Kassenanteil ist für die meisten nur noch ein nettes Taschengeld dazu. Spätestens nach zwei Jahren benötigen sie ein neues Unikat.

Ok, auch heute gibt es bereits Modelle mit verstellbarer Sehstärke. Sie haben flüssige oder feste Linsen und lassen sich über ein Rädchen am Bügel verstellen. Sie haben jedoch einen großen Nachteil: Sie lasten schwer auf der Nase und sind recht klobig. Wir brauchen also eine bessere Lösung.

Die Zukunft der Nerdbrille – Verschmelzung von realer und virtueller Welt?

Neueste High tech-Brillen, wie beispielsweise emPower von PixelOptics (siehe Foto links) nutzen Flüssigkristalle, sogenannte Fesnel-Linsen. Es sind extrem flache und leichte Displays. Die optischen Eigenschaften dieser Brillengläser werden durch für das Auge unsichtbare Beugungsmuster auf den Schirmen erzeugt.

In Verbindung mit modernster Sensorik lassen sie sich über Auto-Mode steuern, so dass beide Hände frei bleiben, wenn zwischen Nah- und Fernbereich umgeschaltet werden soll. Eine Veränderung des Neigungswinkels reicht vollkommen dafür aus. Zusätzlich bieten sie auf Berührung am Bügel eine Zoom-Funktion. Für Träger von Gleitsichtbrillen ist vor allem das weitere Blickfeld der echte Knüller.

Fresnel-Brillen benötigen jedoch eine eigene Stromversorgung. Mit der Einführung flexibler, immer kleinerer und transparenter Solarzellen, sollte dies zukünftig kein Problem darstellen. Eine größere Hürde dürfte der Preis sein: Auf der CES2012 ließ PixelOptics gegenüber Netzwelt verlauten, dass die Preise – ohne Solartechnik – „zwischen 25 und 30 Prozent über den herkömmlichen Kosten für Gleitsichtbrillen“ liegen. (Quelle: Nachbericht zur CES 2012 – emPower von PixelOptics).

Was mir an den Brillen gefällt: Mit der Solartechnik-Version des Akkus, smarter Software und wechselbaren Fassungen ließe sich die Nutzungsdauer von Brillen bei konstantem Tragekomfort deutlich erhöhen. Ich kann mir sogar KoKonsum vorstellen, bei dem nur ein individueller Mini-Chip zu tauschen wäre.

Unternehmen wie Google denken mittlerweile noch einen Schritt weiter und versuchen, uns Augmented Reality schmackhaft zu machen. Statt auf Displays in der Hand zu fokussieren, liefert uns eine Brille die gewünschten Funktionen, die sich über Sprache steuern lässt. In kürzester Zeit abrufbar wären Routenplanung, Kommunikation mit unseren Mitmenschen, Informationen und damit Know-how … und was sich Menschen noch alles einfallen lassen. Ein zusätzlicher Service nicht nur für Brillenträger.

In Verbindung mit RFID-Technologie wäre eine hoch individuelle Werbe- und eCommerce-Plattform geschaffen – vor der mir ehrlich gesagt graut. Ich hoffe, dass es dann auch – gegen ein Abonnement – werbefreie Brillen gibt.

Bleibt eigentlich nur noch das Problem mit der Achtsamkeit. Denn zu viel des Guten ist ungesund, wie meine Omi immer sagte:

In diesem Sinne: Augen auf!

Eure,

Quellen und mehr Info zum Thema

Foto Brille emPower: The Best of CES 2011 via PCMAC.com


Dieser Blogbeitrag ist Teil meiner Serie “Technologien auf die wir warten? – Mein ganz persönlicher ‘Technology Review’: Monatlich berichtet der Technology Review über neueste technologische Trends, die das Zeug dazu haben, unsere Gesellschaft zu verändern. Für die Februar-Ausgabe setzt Robert Thielicke, Chefredakteur des Heise Zeitschriften Verlag, auf Schwarmintelligenz.

Über startnext stellt er Wunschkandidaten für die nächste Ausgabe vor: 16 Ideen, die unseren Alltag nachhaltig verbessern sollen. Bis 06.01. konnte jeder virtuell 3.000 Euro auf seine präferierten Ideen setzen und abstimmen, was wir wirklich brauchen. Meine Präferenzen stelle ich in einer siebenteiligen Serie vor und begründe, warum ich eine Realisierung der Ideen begrüßen würde.

Auf den fünften Platz setzte ich mit 200 Euro Nachjustierbare Brillen.


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