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RadKULTUR: Suche Kleider mit Geschichte

03.09.2012 – Maria Walcher, Künstlerin aus Südtirol, ist auf Wanderschaft von Ort zu Ort durch Europa. Dabei verbindet sie Schneiderhandwerk mit Reiselust. Ihr Thema sind „Kleider mit Geschichte“. Fortbewegungs- und Transportmittel zugleich ist ein als mobiler Nähstand umgebautes Lastenfahrrad. Auf ihrer Reise machte sie vom 29. August bis 1. September 2012 in Friedrichshafen Station auf der Eurobike, genau genommen auf unserem RadKULTUR-Stand. Sie war so Teil unserer Aktionen rund um den Ideenwettbewerb „BW sucht Deine RadIDEE“ des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg.

Ein Fahrrad. Ein großer Sonnenschirm. Eine Nähmaschine und eine Wäscheleine. Hoppla! Das ist außergewöhnlich beim Messerundgang auf der Eurobike, der internationalen Fachmesse rund ums Fahrrad. Was es genau mit dem Schild „Suche Kleider mit Geschichte“ auf sich hatte, erfuhren Besucher an unserem Messestand der RadKULTUR Baden-Württemberg.

Maria Walcher ist Künstlerin aus Brixen in Südtirol: „Jeder Mensch verbindet mit Kleidungsstücken auch die eigene Biografie. Kleider sind Lebensabschnittsbegleiter und somit Träger von Erinnerungen. Ich verschneidere diese individuellen Geschichten zu neuen Kleidern und halte sie mit kurzen Texten und Zeichnungen fest. Um viele interessante Menschen und Kulturkreise erreichen zu können, habe ich Schneiderei mit Reiselust kombiniert. Auf der Eurobike mache ich Station, weil mich die Fahrrad-Anekdoten rund um Kleidung interessieren.“

Im Auftrag des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur suchen wir RadIDEEN, die die Freude am Radfahren im Alltag fördern. Mit der Aktion “Suche Kleider mit Geschichte” regten wir die Besucher der Eurobike zu eigenen kreativen Entwürfen rund um Mode für Radlerinnen und Radler an. Dabei waren wir gut positioniert, denn Marias Stand war direkt neben der Bühne der Fashion-Show der Messe platziert. Wir warfen Fragen auf, wie beispielsweise: Was bedeutet Radkultur für mich? Was begeistert mich am Radfahren? Wie kann ich das über Mode und Kleidung ausdrücken? Über ihre eigenen Kleider-Geschichten kamen wir so mit den Messebesuchern ins Gespräch.

Mit dem Rad auf Wanderschaft: Schneiderei und Reiselust

Ihre besondere Reise durch Europa startete Maria Walcher bereits im Jahr 2011. Stationen waren unter anderem Sarajevo, Wien, München, Zürich und Istanbul. Im August und September 2012 durchquert sie mit ihrer mobilen Schneiderei für sechs Wochen Südtirol. Als Reisemobil dient ihr ein zur fahrenden Schneiderei umgebautes Lastenfahrrad. Das Fahrrad ermöglicht ihr nicht nur alternatives Reisen sondern auch einen flexiblen, schnellen Auf- und Abbau ihrer Schneiderei.

Maria: „Mit dem Fahrrad habe ich meine Schneiderwerkstatt immer dabei und kann von einem Ort zum nächsten fahren. Ich lasse mich jeweils für ein paar Tage an öffentlichen Plätzen, in Parks oder aber in Geschäften, Bibliotheken und Galerien für ein paar Tage nieder. Vor Ort begebe ich mich auf die Suche nach weiteren Kleidern mit spezieller Geschichte. Mir gefällt diese Form des Reisens, die mich auf angenehme Weise entschleunigt. Das Lastenrad ermöglicht mir eine hohe Mobilität und Spontanität.“

Im Gepäck hat die Künstlerin Stoffe aus ihrer kontinuierlich wachsenden Wanderkollektion. Ein Kleidungsstück aus ihrem „Koffer“ kombiniert sie mit einem neuen Teil, das ihr vor Ort geschenkt wird. Zerschnitten und neu kombiniert, schneidert sie so Kleider, die zwar nicht mehr in ihrer herkömmlichen Art und Weise tragbar sind, aus deren einzelnen Unikaten jedoch etwas Neues entsteht.

Quelle: RadKULTUR Baden-Württemberg (Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg)

Kleidung als Ausdruck von Mobilitätskultur

Die mobile Schneiderei thematisiert das Unterwegssein an sich. Sie ist Symbol des Radreisens, kultureller Begegnung und des Austauschs. Bekleidung ist sowohl Träger von Erinnerungen und persönlichen Geschichten als auch Vertreter spezieller Kulturkreise. Die Einzelteile werden von Maria aus ihrem Kontext genommen und in einen neuen Bezug gebracht. So erzählen die Kleider im Laufe des Projekts nicht nur ihre eigenen Geschichten, sondern auch die einer Reise und vieler verschiedener Begegnungen.

„Passanten kommen an meinem Stand vorbei und fragen was ich schneidere. Sie interessieren sich dafür, worum es im Projekt geht. So komme ich mit den Leuten ins Gespräch, erzähle ihnen die Anekdoten der mitgebrachten Kleidungsstücke und frage nach den Geschichten ihrer Garderobe. Dabei kommt es häufig zu interessanten, witzigen und auch sehr persönlichen Gesprächen.“, erläutert Maria ihr künstlerisches Konzept.

Ihre kontinuierlich wachsende Wanderkollektion verändert und erweitert sich von Ort zu Ort. Die offene Schneiderei ist als partizipativer Ort der Begegnung und des Austauschs gedacht, der neue Perspektiven eröffnet. Bei diesem Experiment spielt der praktische Nutzen daher auch eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es der Künstlerin darum, Geschichten neu miteinander zu verweben. So kombiniert sie beispielsweise ein romantisches Kleid aus Zürich mit einem revolutionären Rock aus Istanbul und einem indischen Glücks-T-Shirt. Oder wie hier auf der Eurobike ein Radtrikot der ersten Sternfahrt seines Besitzers mit einem aus einem ehemaligen Fahrradschlauch produzierten Gürtel.

Weltansichten regen zum Weiterdenken an

Beobachte ich Maria am Messestand, so wird schnell klar: Sie interessiert sich für Menschen und ihre Geschichten, Lebenssituationen und Weltansichten. Maria lacht: „Mit meiner Arbeit schaffe ich Aufmerksamkeit für sensible Themen und rege den Betrachter zum Weiterdenken an. Das ist spannend und macht mir Spaß.“

Philosophisch nähert sie sich dabei Fragen nach dem eigenen Ich, der Beziehung zur Außenwelt und den sich daraus ergebenden Systemen des Zusammenlebens. Dieser anthropologische Aspekt spielt für die Künstlerin eine sehr wichtige Rolle: „Manchmal ist der tiefere Sinn auf den ersten Blick nicht sichtbar. Er entwickelt sich erst bei genauerem Hinschauen und Hinterfragen. In der Auseinandersetzung mit den Themen: Reisen, kultureller Austausch und Erinnerung, biete ich eine Plattform, wo nicht nur die Kleider, sondern auch die beteiligten Personen miteinander in Kontakt treten können.“

Maria weckt Neugierde bei den verschiedensten Menschen. Wir von der Initiative „RadKULTUR“ ließen uns offen auf die daraus entstehenden Gespräche ein. So stärkten wir auf der Messe den positiven Diskurs zum Thema Fahrrad. Am Fashion-Stand auf der Eurobike betraf dies hauptsächlich das Thema Mode und Bekleidung. Im Foyer West, an unserem zweiten Stand, ging es allgemein um das Thema RadKULTUR und um RadIDEEN zu Verkehrssicherheit, Diebstahlsicherheit, technische Sicherheitssysteme und so weiter. Wir nutzten die Messe, um Erfindergeist und Kreativität der Fahrradwirtschaft aus Baden-Württemberg weiter bekannt zu machen und zur Teilnahme am Ideenwettbewerb aufzurufen.

Erfindergeist und Kreativität aus Baden-Württemberg

Davon konnte sich auch Staatssekretärin Dr. Gisela Splett überzeugen. Wir hatten ihr einen Messerundgang zusammengestellt, der spannende Gespräche mit Unternehmern aus Baden-Württemberg auf der Eurobike ermöglichte. Modernste Technik und pfiffige Geschäftsmodelle – kleine, mittlere und große Unternehmen sowie Unternehmenskooperationen boten interessante Gespräche und Möglichkeiten zum Ausprobieren. Begleitet wurde sie dabei auch von Dr. Gudrun Zühlke und Erich Kimmich vom ADFC Baden-Württemberg.

Für mich war es die erste Eurobike – aber sicher nicht die letzte. Es ist eine sehr spannende Branche – gerade im Hinblick auf nachhaltige Mobilität. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, was sich für praktisch NACHHALTIG aus den Kontakten von der Eurobike ergibt. Ich freue mich darauf und hoffe, auch Maria bald wieder zu treffen. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn die Künstlerin plant ihre nächste Station in Weimar, meiner alten Heimat in Thüringen.

In diesem Sinne lade ich Sie, meine geschätzten Leser und Interessenten ein: Schreiben Sie mir Ihre Erfahrungen rund ums Rad und gern auch Fahrrad-Kleidergeschichten. Teilen Sie mit uns Ihre positiven wie negativen Erfahrungen und wie Sie damit umgegangen sind. Diskutieren Sie mit. Ich freue mich darauf!


Weitere Informationen

Interessenten und Stifter von Kleidungsstücken mit Geschichten können die Reise von Maria Walcher auf dem „I pack my Bag“-Blog der Künstlerin verfolgen.

Initiative RadKULTUR Baden-Württemberg: www.ich-habs.de.


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